Wenn Könner callen – oder: Der Weg ist nicht das Ziel

Mai 17th, 2012 von admin

Gibt es diese Überzeugungs-Wiederholungs-Raiser eigentlich noch, die sich nach einem oder zwei größeren Cashes oder gar einem Turniersieg für ein Geschenk der Pokergötter an das niedere Geschlecht der No Limit Hold’em-Dilettanten halten und – vorzugsweise in ihren Stammforen – stante pede Pokertraining anbieten? Als ich mit dem Onlinepokern begann, machte ich in meiner grenzenlosen Naivität den Fehler, mir mehrere Trainerstunden bei einigen solcher Kindsköpfe zu gönnen.

Wenn’s bloß das Board nicht gäbe… (sagte schon Phil H.)

Allen gemein war, dass sie meine zaghaften Versuche, mich mit dem einen oder anderen Call in eine Hand zu schmuggeln, unisono hohnlachend abtaten, in etwa so: „Das ist völlig falsch, wer callen kann, kann auch raisen, du musst Stärke demonstrieren!“. Und regelmäßig hieß es dann „Autsch. Der hat das völlig falsch gespielt, mit seinem Paar Dreien hätte er niemals callen dürfen!“, wenn ich die Hand nach einem völlig überflüssigen preflop Re-Raise verloren hatte… Eine weitere Gemeinsamkeit der sogenannten Coaches war es eben auch, dass man selber sich immer damit trösten solle, man habe richtig gespielt, auch wenn man jetzt schon wieder um einen Stack ärmer war: „Hast nix falsch gemacht. Kannst ruhig schlafen.“
Ach ja. Hätte mit meinem AK suited aber auch callen können, wäre dann nicht „pot committed“ gewesen (noch so ein Lieblingsausdruck der No Limit Hold‘em-Halbstarken, der gerne als Rechtfertigung für vollkommen hirnlose All-ins herhalten muss) und hätte mich dann ganz einfach mit einer kleinen Entschuldigung (bildlich gesprochen) aus der Hand gestohlen. Stattdessen reifte in mir allmählich die Überzeugung heran, dass Flop, Turn oder gar River abwarten nur etwas für Angsthasen sei.

Stumpf durchcallen kann reich machen

Aber dann geschah es, dass ich bei „Poker After Dark“ Huck Seed (oder war es Patrik Antonius?) zuschaute, wie er einen raise-wütigen Gegner zur Verzweiflung brachte, indem er, ohne dessen aggressives Spiel zu erwidern, einfach in der Hand blieb – bis zu River. Er gewann, nur weil er seinem Gefühl traute, sein Middle Pair werde ausreichen. „Das ist wirklich großes Poker – daran erkennt man den Profi, einfach die Hand stumpf durchcallen!!!“ jubelte der Kommentator, und ich begann zu erkennen, dass gutes Spiel nicht unbedingt schön oder waghalsig sein muss.
Eigentlich habe ich seitdem nicht mehr oft an diese Szene gedacht (und gottlob auch meine Trainerstunden vergessen, die eigentlich Pokerverschlechterungseinheiten waren). Vor ein paar Tagen aber fiel mir ein uralter Artikel von Gavin Smith in die Hände, den er in seiner Zeit als Full Tilt Pro schrieb. Der WPT Spieler des Jahres 2005 erläutert einige Situationen, in denen preflop Calls – ähnlich wie in der Small Ball Strategie – einen in die Lage versetzen, seinen Gegner auf dem Flop auszuspielen. Aber das erfordert Mut, Geduld und zumindest rudimentäre Intelligenz, oder, wenn die nicht vorhanden ist, dann wenigstens Erfahrung: „Viele Anfänger sind offensichtlich darauf aus, alles schon vor dem Flop erledigt zu haben. Mit jeder halbwegs guten Hand raisen und re-raisen sie und geben sich alle erdenkliche Mühe, um All-in gehen zu können… Dabei macht es wirklich Spaß, post-flop zu spielen.“ In den Genuss dieser Erfahrung kommt man nur, wenn man in Spots callt, wo man sonst re-raisen würde. Nichts für Poker-Roboter.





Titan Poker und die schönen Seiten des Lebens!

Mai 6th, 2012 von admin

Online-Poker macht Spaß – zweifellos!
TitanPoker.com legt jetzt noch einen Happen drauf, wenn man das mal sehr burschikos sagen oder schreiben darf.  Ein neu ins Leben gerufene „ Rewards – System“  inkl. Eines neuen VIP und Loyalty Programmes dürfte den Markt etwas aufrütteln.
Ab sofort erwirbt man bei TitanPoker keine Coins mehr sondern “Schätze“ als Belohnung für das Erreichen festgesetzter Pokerziele. Das Bemerkenswerte daran ist, dass diese Schätze unabhängig von der Bankroll oder den Pokerskills des jeweiligen Spielers sind.

Titan Treasures - ein Meer an Schaetzen!

Titan Treasures - ein Meer an Schaetzen!

Diese Pokerzielpunkte können sowohl an Cash Games als auch durch Turnierspiele erreicht werden und zwar durch das Spielen von 3 Sit ‘n’ Go Turnieren an einem Tag oder des Abspielens des kompletten Einsatzes im Turnier selbst oder des Gewinnes einer kompletten Hand durch ein Full House.

In allen Fällen erhalten die Spieler Goldmünzen für jede erzielte Leistung und können diese dann zu Treasure Tickets umwandeln mit denen exklusive Preise im Wert von bis zu 1000$ erhalten werden können.
Sehr überschaulich und einfach in der Handhabung können die Spieler ihre Goldmünzenbilanz direkt in der Titan Poker Software einsehen und umwandeln.

Eine tolle Idee, die Farbe in die Pokerwelt der Titanen bringt!





Weltmeister nach Gesetzesbruch – oder: Wie dringend brauchen wir einen neuen Glücksspielstaatsvertrag?

Mai 3rd, 2012 von CptnMik

GlücksspielrechtDer frischgebackene Pokerweltmeister Pius Heinz entfacht aufs Neue die Diskussion um Onlineglücksspiel. Einerseits zeigte sich Deutschland stolz auf seinen neuen Weltmeister, andererseits warf sich sofort die Frage auf: Wie legal ist unser Poker-Papsttum eigentlich?

Pius Heinz‘ Sieg beim Main Event der WSOP in Las Vegas am 9. November wurde von der deutschen Medienszene frenetisch als der neue Held im Online Poker gefeiert. Einer der ersten Gratulanten war der frühere Vorzeigesportler und äußerst populäre Botschafter des Onlinepokerns Boris Becker. Mit dem Triumph des 22Jährigen wurde denn auch schnell eine bisher in den Medien weitgehend ignorierte Tatsache thematisiert: Die zunehmend erfolgreichere Generation junger Pokerspieler – schon wenige Tage nach dem deutschen Titelgewinn bei der WSOP holte das Team Deutschland den Sieg beim IFP Nations Cup in London – entwickelt und trainiert ihre Pokerskills ganz selbstverständlich auf eine Weise, die in Deutschland bestenfalls eine gesetzliche Grauzone oder gar illegal ist: beim Onlinepokern. Pius Heinz etwa war vier Jahre lang auf mehreren Pokerseiten zum Teil sehr erfolgreich unterwegs, bevor er sich 2011 zum ersten Mal in ein größeres Live-Turnier wagte.

Hans-Jörn Arp, Fraktionsvize der CDU im Kieler Landtag und Wegbereiter beim Alleingang des nördlichsten Bundeslandes in Sachen Glücksspiel, beeilte sich denn auch festzuhalten: „Deutschlandweit berichten die Medien über den Pokerweltmeister und dessen Karriereweg“, und „völlig selbstverständlich“ werde erwähnt, „dass Heinz das Pokern im Internet gelernt hat. Die wenigsten wissen, dass das verboten ist.“ Schleswig-Holstein ist auf dem besten Wege.

Schleswig-Holstein – Legalisierung im Einklang mit Europarecht

Arp

Das Glücksspielwesen befindet sich hierzulande wie auch in den meisten anderen Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft im Umbruch. Mitte Dezember 15 werden deutsche Bundesländer einen neuen Gesetzesentwurfes für den Glücksspiel-staatsvertrag (GlüStV) unterzeichnen, der Mitte nächsten Jahres in Kraft treten soll. Schleswig-Holstein dagegen blieb dem Weg treu, den es bereits im Jahr zuvor eingeschlagen hatte. Von März 2012 an will das nördlichste Bundesland den Markt unter klar definierten Vorgaben liberalisieren und Lizenzen für Onlinegaming- und Onlinewetten-Anbieter erteilen. Eine geplante Höchstzahl an Lizenzen existiert derzeit nicht. Etwa 40 Anbieter, darunter einige Branchenriesen, bekunden derzeit Interesse an einer Kieler Lizenz.

Foto: Hans-Jörn Arp, MdL Kiel

Explizit Onlinepoker, das laut einer Studie des Forschungsinstituts für Glücksspiel und Wetten mit 33,4 Prozent den Löwenanteil am Internetgambling ausmacht, wird dann in legalem Rahmen stattfinden können. Der deutsche Onlinepokermarkt galt bis Ende 2010 mit einem Anteil von zehn Prozent als zweitgrößter der Welt, mit dem faktischen Wegfall des US-Marktes dürfte er sich mittlerweile zur Nummer Eins entwickelt haben. Dass von der Popularität des Pokerns im Internet auch die Staatskasse profitieren, haben etliche unserer Nachbarstaaten schon länger erkannt: Belgien vergibt bereits seit letztem Jahr Lizenzen, in den Niederlanden sind die ersten Voraussetzungen dafür geschaffen. In Österreich ist Onlinepoker im Prinzip legalisiert, allerdings darf es vorerst nur von win2day, der Plattform der österreichischen Lotterien, angeboten werden.

Prognose

Quelle: Pressetext zur Studie von GOLDMEDIA zum deutschen Glücksspielmarkt

Mit der vorgesehen Rohertragssteuer in Höhe von 20 Prozent weiß sich die Kieler Regierung ebenfalls in guter Gesellschaft: Dänemark will im nächsten Jahr mit der Vergabe von Onlinegaming-Lizenzen und die gleiche Gross Profit Tax auf Glücksspieleinnahmen in gleicher Höhe beginnen, ein Plan, der wie auch der schleswig-holsteinische bereits von der Europäischen Kommission gutgeheißen wurde. Mit der Besteuerung des Rohertrags befinden sich die Nordlichter auf einem Kurs, der sie für die Glücksspielindustrie wesentlich attraktiver macht als beispielsweise das Pariser Modell. In Frankreich werden 7,5 Prozent Steuern auf die Einsätze bei Online-Sport- und Pferdewetten erhoben, bei den Onlinepokertischen wandern zwei Prozent von jeder platzierten Bet in die Taschen des Fiskus, Abgaben die von den Anbietern durchweg als zu hoch empfunden werden und den dortigen Onlinegamingmarkt auszuhöhlen drohen. Es bleibt abzuwarten, wie sich Onlinegambling in den neu geregelten Märkten Italiens und Spaniens entwickeln wird – auf der iberischen Halbinsel beispielsweise werden ab 2012 Lizenzen vergeben, zum Stückpreis von € 2.000.000, zudem werden 25 Prozent Gewinnsteuer für Onlinepoker-Anbieter anfallen.

Der Entwurf der 15 Bundesländer

Anders als das von der EU-Kommission abgesegnete neue Glücksspielgesetz Schleswig-Holsteins war im Sommer eine erste gemeinsame Novelle des GlüStV der restlichen 15 Bundesländer in Brüssel abgelehnt worden. Kritikpunkte waren unter Anderem die dem europäischen Codex nicht entsprechende Einschränkung der Dienstleistungsfreiheit – nur sieben Lizenzen für Glücksspielanbieter sollten vergeben werden –, sowie fehlende Kohärenz und Systematik im Gesetzesentwurf als Ganzes, insbesondere die faktische Aufrechterhaltung des staatlichen Lottomonopols und die Bevorzugung der Spielautomatenbranche. Im Oktober einigten sich die Bundesländer mit Ausnahme von Schleswig-Holstein und unter Vorbehalten von Hessen und Niederachsen auf eine Neuformulierung. Eckpunkte sind die Beschränkung des Onlineangebots auf Sportwetten und der Ausschluss von Gaming- und Pokerangeboten, die Heraufsetzung der Anzahl zu vergebender Lizenzen auf 20 und eine geplante Umsatzsteuer von fünf Prozent (ursprünglich waren 16,66 Prozent vorgesehen).

In einer wirklichen Bananenmarkt-Entscheidung vom Juni 2000 konkretisierte das Bundesverfassungsgericht weiter: „Verfassungsbeschwerden und Vorlagen von Gerichten, die eine Verletzung in Grundrechten des Grundgesetzes durch sekundäres Gemeinschaftsrecht geltend machen, sind von vorneherein unzulässig, wenn ihre Begründung nicht darlegt, dass die europäische Rechtsentwicklung einschließlich der Rechtsprechung des EuGH nach Ergehen der Solange-II-Entscheidung unter den erforderlichen Grundrechtsstandard abgesunken sei.“

Konsistenz besteht demnach nicht darin, die Gegebenheiten der in Deutschland mehrheitlich geltenden Rechtsprechung anzupassen. Im Streitfall würde diejenige Partei gewinnen, deren Vorgehensweise sich optimal am Europarecht orientiert – was der schleswig-holsteinischen Gesetzgebung ja bereits bescheinigt wurde. Mit seiner Garantie der Dienstleistungsfreiheit ist also das Kieler Modell einer Liberalisierung des Onlinegambling-Marktes weit eher in der Lage, der künftigen Praxis in den restlichen 15 Bundesländern seinen Stempel aufzudrücken, als dies umgekehrt der Fall sein wird. Pokerrooms werden können also nicht daran gehindert werden können, mit einer Lizenz aus Schleswig-Holstein deutschlandweit an die Tische zu laden. Vielleicht zieht übrigens Sachsen bald nach, denn wie es heißt, liebäugelt man auch in Dresden mit einer Liberalisierung.





World Poker Tour Wien: Die Gebrüder Breitfuß zeigen wie’s geht

April 9th, 2012 von admin

Logo WPT Opening WienKann man das schon eine Pokerkariere nennen? Ganze zweimal war Fabio Breitfuß bis gestern bei größeren Turnieren ins Geld gekommen, bevor er gestern beim World Poker Tour Opening im Wiener Montesino Casino den Sieg und € 60.500 nach Hause trug. Zwar zeigte die Kurve für den jungen Österreicher ganz steil nach oben: 2010 hatte er beim € 300 No Limit Hold’em Event der CAPT Seefeld unter 223 Teilnehmern den 13. Platz erreicht und € 730 kassiert, ein Jahr später beim $1.100 No Limit Hold’em während des Pokerstars.com EPT Snowfest Season 7 in Hinterglemm/Österreich war es schon Rang Vier (aus 61), der ihm € 6.000 brachte. Erfolgreicher jedoch war bis dato sein älterer Bruder David, der neben einem Sieg beim € 200 NLHE der CAPT European Poker Championship in Baden/Österrreich erst vor zwei Monaten eine sehr gute Platzierung, nämlich Rang Fünf, und € 16.810 beim € 1.180 Main Event der GSOP Live in Salzburg verbuchen konnte. Im April 2011 hatte David das 350 NLHE-Bounty bei der CAPT Salzburg Open als Runner up beendet

So kam es, dass es nicht unbedingt Fabio war, den man als potentiellen Gewinner des € 340 No Limit Hold’em WPT Opening auf dem Radar hatte, in das er mit 846 Konkurrenten gestartet war. Groß war dann das Hallo, als beide Breitfuß-Brüder vorgestern den Final Table erreichten. Als Chipleader ging gestern Fabio an den Start. Schlecht aufgestellt hatte sich sein ältere Bruder allerdings auch nicht – immerhin verfügte er über den drittgrößten Stack. Man spekulierte bereits über ein sensationelles Heads-up der Beiden. Dass es dazu dann doch nicht kam, lag unter Anderem an dem letzten noch im Spiel verbliebenen Deutschen Marcel Razvan. Der saß dann am Schluss mit Fabio Breitfuß allein am Tisch. Der Östereicher hatte seinen Chiplead zu keinem Moment aus der Hand gegeben und ließ sich auch jetzt den Sieg nicht mehr nehmen.

Final Table und Pay Outs

1. Fabio Breitfuß (Österreich): 60.500 €
2. Marcel Razvan (Deutschland): 33.730 €
3. Auke Attema (Niederlande): 22.040 €
4. Dimitri Tretyakov (Russland): 15.000 €
5. Oswin Ziegelbecker (Österreich): 10.520 €
6. David Breitfuß (Österreich): 8.040 €
7. Franz Gottfried (Österreich): 6.360 €
8. Guy Gorelilk (Israel): 5.340 €

 





Die besten Tipps für No Limit Hold’em – Starthände in den schnellen Varianten sinnvoll einsetzen

April 1st, 2012 von admin

Aktuelle Spielmodi wie Zoom Poker oder die angekündigten Fast Poker Varianten machen es sinnvoll, eine Raising Range parat zu haben, die die Tatsache ausnutzt, dass bei diesen schnellen Spielen häufig ABC-Poker stattfindet, sprich häufig auf den ersten Raise hin gefoldet wird.

Warnung vorweg: Das ist der erste Artikel aus einer Serie über nützliche Basics. Es kommen nun ein paar Überlegungen und Zahlen, die hauptsächlich für diejenigen unter uns interessant sind, die nicht bis an die Zähne softwarebewaffnet an den No Limit Hold’em Tischen sitzen. Wer stets mit HEM oder PokerStove pokert, bekommt die Chancen seiner Hand mit den entsprechenden Einstellungen ja sowieso ready serviert und kann entsprechend agieren. Aber auch ohne die häufig verwirrende Fülle der Informationen, die die Helper-Software bietet, kann man mit Hilfe von ein paar Eckzahlen sinnvolle Spielstrategien entwickeln, die einen nicht einmal dann vollkommen ahnungslos aussehen lassen, wenn mehr Pros/Regs als andere Spieler am Tisch sitzen. Beim Real Life Poker muss man sich ja ohnehin auf seine eigene Denkfähigkeit verlassen. Gut, wenn man dann ein paar Standards im Kopf hat.

„Position, Position, Position“ – dass darin der Schlüssel zur adäquaten Aktion liegt, ist längst eine Binsenweisheit. Wie aber machen sich die Positionen Under the Gun, Middle Position und Button in Prozentzahlen bemerkbar? Die folgende Tabelle vermittelt Zahlenwerte, die die Showdown Equity anzeigen, also wie hoch die Chance ist, die beste Hand zu haben, ausgehend von der Position, in der man sie zu spielen gedenkt. Grundlage ist das Spiel an einem 9handed Table, das heißt bei Position Under the Gun (UTG) folgen noch Aktionen von acht weiteren Spielern, in Middle Position (MP) sind es hier fünf, auf den Button zwei und einer auf den Small Blind (SB). 6s 5s steht natürlich für alle 65 suited Hände, Jd Jc für alle Pocket Jacks usf.

Preflop Equity nach Steve BrecherUnterteilt sind die möglichen Starthände in vier Gruppen, mit 65s als niedrigster. Die Tabelle kann als Richtschnur für die Fragestellung genommen werden, ob sich ein Open Raise oder ein Call lohnen (es gibt tatsächlich gute Gründe nicht immer nur zu raisen, auch wenn die meisten Pokercoaches dies als „feige“ brandmarken“. Aber das ist Stoff für einen eigenen Artikel).

Wichtig: Die Prozentzahlen beziehen sich ausschließlich auf die Preflop-Equity und auf die Situation, dass vor dem Hero kein Raise erfolgte. Eine 99%ig sichere JJ-Hand in Late Position ohne Raiser wird zudem ganz schnell zum Underdog, wenn sich mehrere Caller eingeklinkt haben.





Marvin Rettenmaier vom Team Titan im aktuellen CardPlayer Magazine

März 18th, 2012 von admin

Marvin Rettenmaier in CardPlayer„Mad Marvin conquers Europe“ („Mad Marvin erobert Europa)“ – so titelte das CardPlayer Magazine zu einem ausführlichen Interview mit Marvin Rettenmaier vom Team TitanPoker. Marvin erzählte darin, er hätte sehr viel Zeit, ehrgeiz und Energie darin investiert, den begehrten Titel des Card Player 2011 Player of the Year zu bekommen. Zwar reichte es dann nur für Rang vier – den ersten Platz eroberte Ben Lamb mit seiner großartigen Performance bei der World Series of Poker, gefolt von Chris Moorman und Oleskij Kovalchuk –, aber der Teamkollege von Sam Trickett zieht eine positive Bilanz: „Ich gab mein Bestes und ich bin stolz, dass es mir gelungen ist, durchzuhalten… Ich freue mich auf ein großartiges Jahr (2012, Anm.d.A.).“ Einen Plan, wie das er das angehen wird, hat er auch schon: „Ich werde versuchen, mein Leben besser auszugleichen, … nicht mehr müde zu spielen, und daher viel öfter mein absolutes Topspiel an den Tisch zu bringen.“ Beim Relaxen hilft Marvin übrigens die Musik: „Ich versuche immer, meine Gitarre auf Pokerreisen mitzunehmen. Das hilft mir vor und nach dem Spiel beim Lockerwerden.“

Marvin ist seit seinem zweiten Platz beim €1.000 No Limit Hold’em Main Event des Wiesbadener Christmas Poker Festivals 2009 (Prämie: €22.000) erfolgreich in der internationalen Turnierszene unterwegs. Dreizehn Mal erzielte er bei großen Live Events allein letztes Jahr eine Platzierung unter Top Ten, sein größter Erfolge wurden 2011 der Sieg beim €1.800 Main Event der France Poker Series in Paris im Februar, wo er stolze €224.036 gewann. Der Sommer brachte ihm (unter Anderem) neben drei Cashes bei der WSOP auch den ersten Platz bei der $1.800 No Limit Hold’em Grand Final Championship im Golden Nugget/Las Vegas und damit $54.713. Beachtlich, dass Marvin es bei all der zeitintensiven Reisetätigkeit als PokerPro im Team Titan sozusagen nebenher schaffte, seinen Abschluss als Bachelor in der Disziplin General Management auf der European Business School zu erreichen.

Auch 2012 hat erfolgversprechend für den jungen Deutschen begonnen: Während der 2012 Aussie Millions Poker Championship in Melbourne Neben nahm er am A$ 1,150 Joe Hachem & Shane Warne Charity Event teil und wurde Zehnter, wenige Tage später machte er den achten Platz im A$ 1,000 No Limit Hold’em Rebuy und gewann $17.419. Seine Teilnahme beim Grand Final der German Championship of Poker in Rozvadov brachte ihm mit einer knappen Verdopplung des Buy-ins und dem Ausscheiden auf Rang 26 einen Achtungserfolg. Anfang März dann wurde Marvin eine ganz besondere Ehre zuteil: Am World Poker Tour Bay 101 Shooting Star in San José, Kalifornien, nahm er als nominierter Pro teil. Die damit auf ihn ausgesetzte Kopfprämie von $5.000 und das signierte Bounty-T-Shirt holte sich Joe Serock mit Pocket Kings, gegen die Marvins K7 nur wenig Chancen hatte. Ob er nach dem Knockout wieder wie so oft genervt „FML“ („F*** my life“, angeblich gerne von Pokerspielern nach Bad Beats gerufen) hören ließ, ist nicht bestätigt. Vielleicht kann er sich ja bald den größten Traum jedes Pokerspielers erfüllen: Der besteht natürlich in einem Bracelet bei der WSOP.





EPT Madrid: Siyu Sha bastelt an seiner Pokerkarriere

März 17th, 2012 von admin

EPT LogoDeutschsprachigen Spieler hatten in dieser Woche nicht besonders viel Glück auf der iberischen Halbinsel: Die letzten ihrer Art, Jan Collado, Erich Kollmann, Konstantinos Nanos und Siyu Sha, erwischte es im Main Event der European Poker Tour Madrid etliche Plätze vor dem Final Table. Gestern, am Vorabend des Main Events zum Final Table, sah es anfangs recht gut aus für Siyu Sha. Mit kanpp 800.000 Chips ging er auf Rang Sechs ins Rennen. Leider erwischte es ihn dann doch ziemlich früh – sein All-in mit Pockets Achten wurde von Joâo Paulo Simâo gecallt, dessen Pocket Queens sich zum Unglück für Sha denn auch prompt mit der ersten Flopkarte zu einem Set und auf dem Turn zu Quads vervollständigten. Siyu Sha belegte damit den 17. Platz und erhielt €13.000 Preisgeld. Bereits einen Tag zuvor hatte der Portugiese, der heute als Chipleader am Final Table einen 4way Pot mit As-König auf dem River einen König getroffen und Konstantinos Nanos an die Rails befördert. Platz 26 brachte dem Deutsch-Griechen €11.000. Die gleiche Summe erhielt „The Coolman“ mit seinem Ausscheiden auf Rang 38, während Jan Collado als 52. €9.000 in Empfang nahm.

Immerhin ist  der aktuelle Cash von Siyu Sha, der außer Poker gerne Schach spielt, der höchste in der noch recht kurzen Live-Turnier-Karriere des jungen Deutschen. Die hatte vor nicht einmal einem Jahr bei der GSOP in Manchester begonnen, mit dem 32. Platz beim $1.500 No Limit Hold’em Event. Es folgten ein 11. Platz beim €900 NLHE Deepstack bei der WPT in Marrakesch. Zu seinen guten Platzierungen in den letzten Wochen gehören Rang 21 beim Main Event der German Championship of Poker in Rozvadov am 10. Februar, der ihm €4.655 brachte, sowie, nicht einmal 14 Tage später, zwei ITM-Platzierungen bei der CAPT 2012 in Bregenz/Österreich. Macht ganz den Eindruck, als bereite sich da einer in aller Ruhe auf Größeres vor… Lange dauert’s ja nicht mehr bis zur nächsten WSOP.





Work in Progress: Phil Galfond’s LET’S MAKE SOME CHANGES

Februar 6th, 2012 von admin

Phil GalfondPlädoyer für mehr Spaß am Spiel: Seit etwas mehr als drei Wochen wächst und gedeiht mit Let’S Make Some Changes ein spannender Blogpost, in dem Phil TPPFKAO (The Poker Player Formerly Known As OMGClayAiken) sich so seine Gedanken über die Frage macht, ob und wie denn die Onlionepokerszene wiederbelebt werden kann. Denn selbst wenn ja alle Vorzeichen auf einen neuerwachenden Pokerboom hindeuten, so hat aus der Sicht vieler (vor allem Hobby-)Spieler das spannendste aller Kartenspiele in vielerlei Hinsicht an spielerischem Reiz stark eingebüßt. Phil Galfond untersucht die Gründe dafür – notabene vor allem aus der Sicht eines ausgemachten Highstakes-Spezialisten, was sichaber problemlos auf diejenigen unter uns übertragen lässt, für die 4tabling mit jeweils $10 Buy-in ungefähr dem entspricht, was Mr. Galfond mit jeweils $10.000 veranstaltet.

Liebhabers des grünen Filzes sei unbedingt zu dieser Lektüre geraten. Da Phil aber ausdrücklich erlaub und sogar dazu auffordert, den Artikel oder Teile daraus andernorts zu zitieren/zu reproduzieren, und da die Diskussion sich auf ww.philgalfond.com unentwegt und heftig weiterentwickelt, und weil dieses Thema (allerdings mehr unter dem Aspekt „Save the Fish!“, Royal Flush, im Juli 2011) mein ganz spezielles Steckenpferd ist, werde ich hin und wieder nachsehen, was sich Neues getan hat und hier darüber berichten. Übrigens hat erst kürzlich Jonas Ödman, wegen der Einführung des Recreational Poker Models viel kritisierter Player Vizepräsident des Bodog Networks, auf www.calvinayre.com klargestellt, dass er „nichts gegen Winning Players“ hat. Es gebe eben schlicht nur drei Wege, die das Geld im Ökosystem Poker nehmen kann: Über Deposits durch die Spieler kommt es herein, und hinaus fließt es über Withdrawals oder die Rakes der Rooms. Winning Players generieren zwar den Löwenanteil dieses Rakes, indem sie kontinuierlich spielen, könnten das aber durchaus jahrelang tun, ohne wieder einzahlen zu müssen. Deposits aber liefern sozusagen den Sauerstoff, der das Ökosystem aufrechterhält. So gesehen ist es im Interesse aller dafür Sorge zu tragen, dass die Spieler, die neue und/oder erneut einzahlen, eine „möglichst positive Spielerfahrung“ machen. Zur Erinnerung: Statistisch gesehen machen gerade mal fünf Prozent der Onlinespieler langfristig ein Plus beim Pokern. 95 Prozent müssen anders bei Laune gehalten werden.

Nachttrag: Als Tom “durrr” Dwan 2009 zur Million Dollar Challenge aufrief, bei der er jeden Spieler einlud, auf Fill Tilt 50.000 Hände gegen ihn an $200/$400 (gern auch höher) No-Limit Holdem oder Pot-Limit Omaha-Tischen zu spielen, schloss er ausdrücklich einen Spieler aus: Phil (damals noch)“OMYGODClayAiken“ Galfond (heute online als MrSweets28  unterwegs) durfte nicht mitmachen. Allein diese kleine Episode zeigt, welche Hochachtung MrSweets in der Szene genoss, und er tut das heute noch – genauer gesagt: Auch viele Spieler auf PokerStars haben Angst vor seinen Fähigkeiten, und, wie er bedauernd feststellt, gehen sofort auf Sit-out, wenn sie ihm am Tisch begegnen.





Wie kann ein neuer Poker-Boom aussehen?

Januar 22nd, 2012 von admin

„Der Poker Boom ist vorbei“ unken die einen, „Der zweiten Boom kommt bald“, freuen sich die anderen. In Deutschland zumindest stehen die Zeichen für eine neue Online Poker-Welle, nicht zuletzt dank „unseres“ Pokerpapstes Pius und der Aussicht, dass von Schleswig-Holstein ausgehend demnächst auf legale Weise im Internet gepokert werden darf – mehr als 40 Anbieter, darunter auch Branchenriese PokerStars, wollen eine Lizenz aus dem nördlichsten Bundesland haben. Auch in den USA stehen nach Meinung vieler Experten die Zeichen gut für die Legalisierung von Online Poker, das laut einem Rechtsgutachten von höchster Stelle nicht unter das Verdikt des Wire Acts fällt. Vermutlich und nicht eben unerwartet wird Nevada der erste US-Bundesstaat sein, in dem offiziell Online Poker angeboten werden kann.

Was also könnte einem zweiten Poker Boom im Wege stehen? Steve Ruddock, PokerPro, Coach und Journalist, äußert sich in einem sehr interessanten Artikel auf www.pokernewsboy.com sehr skeptisch zu diesem Thema, kommt allerdings im Endeffekt zu dem Schluss, dass zumindest an die Spitzenzahlen von 2006 angeknüpft werden kann. Allerdings, so seine Vermutung, dürfte sich der Prozess, bis ähnliche Umsätze erreicht werden können, eher allmählich vollziehen, nicht mit dem rasanten Anstieg, der zwischen 2004 und dem absoluten Peak von März 2005 erfolgte.

Drei Faktoren macht Ruddock für eine langsamere Entwicklung verantwortlich: Da sind zunächst die wiederholten Rückschläge, die die Pokerwelt in den letzten Jahren erschütterte (meistens erfolgten sie auf dem Onlinesektor, was aber immer auch Rückwirkungen auf Brick-and-Mortar-Poker hatte): die UIGEA von 2006, der Skandal um die Super User auf Ultimate Bet (2004-2008), unverhohlenes Multiaccounting von Pros (zum, Beispiel Eli Elezra auf Full Tilt) und unfassbar dämliche Betrügereien durch Stars der Szene wie das „Pokerwunderkind“ José “Girah” Macedo auf iPoker (2011), zuletzt der Black Friday und der Abgang von Full Tilt Poker und UB/Ultimate Bet mit dem Einfrieren von Hunderten Millionen Dollars auf den Spieleraccounts. Solche negativen Schlagzeilen verursachen bei vielen einen schlechten Geschmack im Mund, und manch einer wird es sich überlegen, ob er selbst im Falle einer Legalisierung mit viel Geld ins Pokern einsteigt.

Ein weiterer Grund, warum es vermutlich für ein erneutes Aufblühen der Branche selbst unter den günstigsten politischen Umständen etwas mehr Zeit braucht, ist schlicht die ökonomische Gesamtsituation: Viele Menschen haben einfach aufgrund sinkender Einkommen nicht mehr das Geld, um auf einen Schlag Hunderte oder gar Tausend von Dollars in ihr Hobby zu investieren. Die Pokerseiten ihrerseits haben angefangen, darauf zu reagieren. Einige bieten bereits wieder vermehrt Reload-Freerolls an oder fordern zum persönlichen Kontakt auf, um individuell Boni auszuhandeln. Wer sich im Moment aufmerksam auf den Sites umsieht, kann einige schöne Deals heraus handeln.

Und dann ist da noch das derzeitige Geschehen in der Online Pokerszene selbst. Da weiß sich Steve Ruddock mit Cashgemae-Spezialist Phil Galfond einig, der in „Let’s Make Some Changes“ scharfsinnig die aktuelle Situation analysiert und zum Umdenken auffordert. Mehr zu diesem Thema demnächst, außerdem ein paar Überlegungen, ob die möglichen Entwicklungs-Entschleunigungen nicht langfristig einige positive Wirkungen zeitigen könnten.





Was ist an Super High Roller Events eigentlich super?

Januar 11th, 2012 von admin
The Big One For One Drop

Zum Download der Broschüre auf das Bild klicken

Viktor Blom hat gut 1,25 Millionen Dollar beim Super High Roller Event der PCA gewonnen. Das Buy-in von 100.000 Dollar war relativ bescheiden, denn am 27. Januar soll das Event 20 der Aussie Millions starten, für das jeder Teilnehmer 250.000 Dollar auf den Tisch blättern muss. Und die Tickets für The Big One bei der World Series of Poker, kosten 1 Million Dollar (kann Viktor Blom ja schon mal seinen Gewinn von eben gerade ins Sparschwein tun für). Aber The Big One trägt den Zusatz for One Drop und hat einen karitativen (Neben-)Zweck. Doch der Reihe nach.

Erinnert sich noch jemand an den Onyx Cup? Anfang letzten Jahres, kurz nachdem das High-Roller Event der Aussie Millions mit seinem Buy-in von $250.000 über die Bühne gegangen war, begann Full Tilt Poker die Werbetrommel für eine neue Series mit sechsstelligen Buy-ins zu rühren. Einige Pros, darunter Doyle Brunson und Daniel Negreanu, mokierten sich via Twitter über den neuen Trend zu größenwahnsinnig-hohen Eintrittsgeldern. Ich erinnere mich noch genau, an meine ungläubige Reaktion auf den dämlichen Werbeclip zum Onyx-Cup, durch den Ali Nejad mit lila Schlips und der Ausstrahlung eines Junior-Teamleiters in einem Losverkäufer-Call Centers führte. Bald darauf cashte ich aus, und zwar 25 Dollar, gut fünf Sechstel meiner Funds. Vier Dollar, an die ich seit Juni nicht mehr herankomme, ließ ich auf dem Account (ich weiß, da habe ich noch Glück, verglichen mit den riesigen Bankrolls, die anscheinend jeder sonst bei Full Tilt liegen hat).

Natürlich war ich (und bin ich nach wie vor) entsetzt über die Brutalität, mit der das US-Departments of Justice in die Onlinepoker-Welt und damit in so viele Leben eingriff. Außerdem kommen jetzt, wo die Szene um so viele Spiele ärmer ist in den nicht-NLHE-Varianten, die ich eigentlich viel lieber spiele (FL Omaha High Low und 2-7 Single Draw zum Beispiel, oder Mixed Games), häufig über viele Stunden keine Sit’n Gos zustande, und auch die Turniere sind seltener und viel viel kleiner geworden. Und es freut mich sehr, dass Chris Ferguson erstens noch unter den Lebenden weilt und zweitens Klage gegen das Einfrieren der Spieleraccounts eingereicht hat. An Events wie beispielsweise dem Onyx Cup nervt nicht die die Höhe der geplanten Buy-ins – schließlich liest man ständig über einzelne Pots in Höhe von 100.000en Dollars bei High Stakes Cash Games, off- wie online, in Händen, die oft nicht einmal eine einzige Minute lang dauern. Das Problem liegt in der Langeweile, die sie ausstrahlen. Leute, die viel Geld zur Verfügung haben, schmeißen sich selbiges um die Ohren, wie Kinder mit Knetgummi werfen (ob daher der Ausdruck „Knete“ kommt?). Wo ist da der Witz? Ich meine, wenn man wenigstens davon ausgehen könnte, dass die Jungs und das Mädel, die sich dann am Final Table treffen, bei so einem Event einen ECHTEN Showdown, mit spitzen Schreien, Pistolenschüssen, durch die Luft fliegenden Stühlen, zerbrechenden Gläsern, Flaschen, Spiegeln und so fort abziehen würden – aber so? Poker – selbst in seiner aktuellen wenig romantisch wirkenden Form als Onlinegrinden an 25 bis 50 Tischen gleichzeitig – verkörpert wie sonst kaum ein Spiel das Streben des Individuums nach Glück, letzteres am liebsten in Form von schnellem Reichtum. Die aberwitzigen Buy-ins aber, die Schlagzeilen generieren sollen, degradieren die Spieler zu Eseln, denen immer größere Möhren vor die Nase gehängt werden. Soviel Geld macht die Sache viel zu billig.

Etwas anders liegt der Fall bei „The Big One for One Drop“, einem No Limit Hold’em Turnier mit einem Buy-in $1.000.000, das mit maximal 48 Spielern am 1. Juli im Rahmen der World Series of Poker startet: $111.111 pro Teilnehmer gehen als Spende an die von Guy la Liberté gegründete One Drop Foundation, die weltweit Projekte unter Anderem zur Verbesserung der Trinkwasserversorgung und Ernährungssituation in armen Ländern fördert. Hier kommt ein Element auf den grünen Filz, das ganz wesentlich zum Zauber des Spiels beiträgt – dass die Lust am Pokern nämlich aus anderen Quellen gespeist werden kann als aus der Vorgabe von Verkaufsleitern, die möglichst viel Umsatz generieren müssen. Wer weiß ob das Department of Justice so ohne Weiteres durchgegriffen hätte, wenn man Full Tilt Poker von vornherein karitative Zwecke bei der Onyx Cup Series ins Konzept aufgenommen hätte.